Sarah und die Wolke

Erika Kronabitter

Mehr als 10.000 Kinder haben allein in Österreich nicht die Chance, in ihrer eigenen Familie aufzuwachsen. Im deutschsprachigen Raum sind über 100.000 junge Menschen „fremd“ untergebracht. Sie verbringen ihre Kinderjahre in Pflegefamilien oder Einrichtungen der Jugendhilfe, weil die leiblichen Eltern nicht in der Lage sind, ihnen eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Viele von ihnen wurden erst nach traumatischen Ereignissen in die Ersatzfamilie oder Einrichtung aufgenommen.

Für diese jungen Menschen sind Geschichten, die mit einer glücklichen Familie enden,  in den Kinderbüchern nur ein Traum. Sie bilden kaum ihre schlimmen Erfahrungen ab. Und sie spiegeln noch weniger ihre aktuelle Situation wieder: ihre Trennung von den leiblichen Eltern, ihr Wissen um die schlimme Lage, in der sich manche ihrer Eltern befinden wie Gefängnis, Prostitution, Drogentod oder Armut.

Im Gegenteil: die Geschichten in den Kinderbüchern zeigen ihnen immer wieder in subtiler Weise, dass sie selbst anders sind als die Kinder in den Büchern und dass sie selbst ein Schicksal haben, das sie als nicht ganz „normal“ erscheinen lässt.

PädagogInnen  und Pflegeeltern auf der Suche nach Kinderbüchern, in denen sich auch „Heimkinder“ wiederfinden können, werden bislang kaum fündig.  Und doch wären solche Kinderbücher ein wertvolles Mittel, die vergangenen Erlebnisse und die aktuelle Situation aufzuarbeiten. Oder zumindest darüber mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Oder auch nur das Gefühl zu vermitteln, dass es noch mehr Kinder gibt, die Ähnliches erfahren haben.

Die Schriftstellerin und Künstlerin Erika Kronabitter beschreibt und zeichnet in „Sarah und die Wolke“ den Weg eines Kindes, das nach Jahren der Misshandlung bei ihren Eltern vom Jugendamt in einer Wohngemeinschaft untergebracht wird.  Ihre schlimmen Erfahrungen spiegeln sich in der Wolke wieder, die sie bis zum Übergang  in die „Ersatzfamilie“ begleitet:

„ Sarahs Herz klopft vor Aufregung. Sie ist ganz benommen. Alles purzelt durcheinander. Eigentlich ist sie traurig. Sie denkt an Mama. Bestimmt sitzt Mama auf dem Bett und weint. Und Sarah hat ein bisschen Angst. Aber sie ist auch neugierig.“

„Sarah und die Wolke“ wird zum Anlass des 10-jährigen Jubiläums der Wohngemeinschaft „Fühl dich Wohl“ in Marz im Burgenland geschrieben. Es ist für Kinder von ca. 5 bis 10 Jahren gedacht, die von ihren Eltern getrennt aufwachsen müssen.

 

Erika Kronabitter wurde im Rahmen des Prosa-Preises Brixen, den sie 2001 erhielt,  als „Seelenleidland“-Autorin bezeichnet. Sie setzt diese ihre Fähigkeit in „Sarah und der Wolke“  feinfühlig ein. Ihre interdisziplinäre Begabung erlaubte es ihr, die Geschichte selbst mit eindrucksvollen Bildern zu illustrieren.

Anregung für PädagogInnen zur Nutzung des Kinderbuches